METHODE

Spurentunnel

NACHWEISE OHNE STÖRUNG DER TIERE

Die Spurentunnel können in verschiedenen Grössen angefertigt werden, von 1m langen Holzkästen bis zu kleinen Tunneln aus Milchpaketen. In der Mitte ist der Boden mit einem Tintenkissen ausgelegt, vor dem sich vorne und hinten Fliessblätter befinden. Die neugierigen Kleinsäuger untersuchen den Tunnel auch ohne Köder, laufen über das Tintenkissen und hinterlassen auf den Fliessblättern ihre Spuren. Allerdings können nur die Spuren von grösseren Tieren wie Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Sieben- und Gartenschläfer sowie Haselmaus sicher identifiziert werden. Spitzmäuse und viele Nagerarten hinterlassen nur Wolken von Abdrücken, die man nicht bestimmen kann.

SPUREN IN DER NATUR

ANGEFRESSENE BEEREN UND NÜSSE, BAUTEN, KOT UND GEWÖLLE SIND AUFSCHLUSSREICH

Viele Kleinsäuger hinterlassen Spuren ihrer Aktivität. Von der Haselmaus angenagte Haselnüsse zeigen kreisrunde Öffnungen mit schräg verlaufenden Kerbungen am Lochrand. Andere Frassspuren sind weniger deutlich und können keiner Art zugewiesen werden. Auch Erdbaue sind mit Ausnahme der Erdhügel von Maulwurf und Schermaus meist schwer zu bestimmen. Frische Maulwurfshügel enthalten immer kleine Schollen, da der Maulwurf die Erde nach oben stösst und nicht wie die Schermaus nach aussen scharrt. Kot wechselt je nach Nahrung oft seine Konsistent und Form, kann aber manchmal bestimmt werden, wenn er in typischer Weise, z.B. auf einem Stein, abgelegt wurde. Gewölle, also Nahrungsreste von Greifvögeln und Eulen enthalten neben Haaren oft Skelettreste von Kleinsäugern, die mit Hilfe von Literatur bestimmt werden können.

Die Vielzahl von Spuren, welche Tiere hinterlassen, ist im folgenden Buch dargestellt:

Baker Nick (2020): Fährten lesen und Spuren suchen. Haupt Verlag, Bern.

MINI-FOTOFALLEN

NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR DIE UNTERSUCHUNG DER KLEINSÄUGERFAUNA

Wildtierkameras zur Erfassung grösserer Wildtiere gibt es schon lange. Für die Erfassung kleiner Säugetiere eigneten sie sich aber nicht. Die Lösung bestand im Bau von sogenannten Fotofallen. Dabei wurde eine Kamera mit dem entsprechenden Fokus in eine kleine Kiste eingebaut. Der Fokus bestimmt, wie weit die Schärfeebene von der Kamera entfernt liegt. Die Kleinsäuger können die Kiste durch zwei Eingänge begehen. Oft wird auch eine ganze Rückwand entfernt. Wie in einer Lebendfalle werden die Kleinsäuger meistens durch einen Köder angelockt. Gegenüber dem Lebendfang hat der Einsatz einer Fotofalle einige Vorteile. Sie kann an Orten, z.B. im Gebirge, aufgestellt werden, wo die notwendigen Kontrollen nicht zeitgerecht durchgeführt werden können. Im Gegensatz zu einer Lebendfalle werden die Tiere nicht gestört. Fotoserien eignen sich auch zur Beobachtung des Verhaltens. Leider können die Arten auf Bildern aus Fotofallen oft nicht richtig bestimmt werden. Entweder zeigen die Fotos die typischen Merkmale nicht oder es handelt sich um kryptische Arten, die nicht mit körperlichen, sondern nur mit genetischen Merkmalen bestimmt werden können. Fotofallen liefern auch keine Angaben über Gewicht, Sexualzustand etc. der Tiere.

Lebendfang

MIT LONGWORTH-LEBENDFALLEN

Der Lebendfang ist eine traditionelle Methode zur Erforschung der Kleinsäuger. Er ist den Berufsleuten vorbehalten, welche auf der Grundlage der entsprechenden Ausbildung eine Bewilligung dazu von den zuständigen Veterinärämtern der Kantone erhalten. Verwendet werden in Europa vor allem Fallen des Typs Longworth Life Trap. Die Falle besteht aus einer Nestbox und einem Tunnel. An dessen Übergang zur Nestbox befindet sich die Auslösevorrichtung, welche die Klappe am Tunneleingang schliesst. Die Nestbox wird mit Heu oder Stroh gefüllt, damit sich die Tiere einwühlen können und damit der Urin aufgesaugt wird. Als Futter und Köder werden meist Hackfleisch und Mehlwürmer für die Insektenfresser und Apfelschnitze und Körner für die Nagetiere verwendet. Die Lebendfallen müssen mindestens drei Mal pro Tag kontrolliert werden. Dabei werden die Kleinsäuger in einen Plastiksack geleert und Art, Geschlecht, Gewicht und Sexualzustand erhoben. Für die genetische Artbestimmung können am Schwanzansatz Haare samt Basiszellen entnommen werden.

Nach oben scrollen